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Bisherige Restitutionen im Landesmuseum Hannover

Mit den nachfolgend genannten Objekten möchten wir Ihnen einen von den Eigentumsverhältnissen unabhängigen Überblick über die bisher im Landesmuseum Hannover erfolgten Restitutionen geben.



Franz Joseph Dobyaschofsky (auch: Dobiaschofsky), Herrenbildnis, 1836

(Öl auf Leinwand, 74 x 59 cm, signiert mit „Dobiaschofski Franz / pinxit“)

Das aus ehemaligem Reichsbesitz stammende Gemälde befand sich seit 1966 als Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Landesgalerie des Landesmuseums.

Das für den Kunstbesitz des Bundes zuständige Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) ermittelte, dass das Gemälde nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Wien 1938 vom früheren Eigentümer ins Wiener Auktionshaus „Dorotheum“ eingeliefert worden war, um die Auswanderung der Familie zu finanzieren. Gegen die jüdische Familie wurde später ein Ausbürgerungsverfahren eingeleitet und über ihr gesamtes Vermögen eine Beschlagnahmeverfügung erlassen. Das Gemälde von Dobiaschofsky gelangte nach der Versteigerung in den Münchener Kunsthandel und wurde 1941 an die Reichskanzlei verkauft.

Da dem Erwerb durch das Deutsche Reich ein NS-verfolgungsbedingter Zwangsverkauf im Sinne der Rückerstattungsgesetzgebung vorausgegangen war, beschloss das BADV nach Maßgabe der Erklärungen der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände vom 09.12.1999 sowie der Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust vom 03.12.1998, das Gemälde an die Erben des früheren Eigentümers zurückzugeben. Der Leihvertrag mit dem Landesmuseum Hannover wurde zum 30.11.2005 aufgelöst und das Gemälde an die Erben des früheren Eigentümers restituiert.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an das zuständige Bundesamt für zentrale Dienste und Offene Vermögensfragen.


Lovis Corinth, Römische Campagna, 1914

(Öl auf Leinwand, 71,5 x 96 cm)

Das Gemälde wurde 1949 von der Stadt Hannover aus der Sammlung von Dr. Conrad Doebbeke, Berlin, erworben und befand sich seit 1950 als ständige Leihgabe der Stadt Hannover in der Landesgalerie des Landesmuseums.

Provenienzrecherchen zufolge gehörte es vor 1933 zur Sammlung Curt Glaser (1879 – 1943), der bis 1933 als Direktor der staatlichen Kunstbibliothek Berlin vorstand. Nach Inkrafttreten des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft zunächst in den Ruhestand versetzt und am 27.09.1933 aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Um seine Emigration, zunächst in die Schweiz, später in die USA, finanzieren zu können, war Curt Glaser im Mai 1933 gezwungen, einen Großteil seines Eigentums, darunter die komplette Bibliothek, die Wohnungseinrichtung und weite Teile der Kunstsammlung, zu veräußern. Das Gemälde „Römische Campagna“ gehörte zu jenen Objekten, die am 9. Mai 1933 als „Sammlung und Bibliothek eines Berliner Kunstfreundes“ über die Internationale Kunst- und Auktionshaus GmbH in Berlin versteigert wurden. Über den weiteren Verbleib des Gemäldes konnte lediglich ermittelt werden, dass es vor 1945 in die Sammlung Conrad Doebbekes gelangte. Der Rat der Stadt Hannover stufte das Gemälde als NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kunstwerk im Sinne der Washingtoner Erklärung ein. Am 24.09.2007 wurde es an die Erben des früheren Eigentümers restituiert.

Die Geschichte des Gemäldes und das Schicksal seines früheren Eigentümers wurden 2008/09 im Zusammenhang mit der Ausstellung „Raub und Restitution. Kulturgut aus jüdischem Besitz von 1933 bis heute“ (Jüdisches Museum Berlin/ Jüdisches Museum Frankfurt am Main) thematisiert und sind im gleichnamigen Begleitbuch zur Ausstellung, hrsg. von I. Bertz und M. Dorrmann, Göttingen 2008, nachzulesen.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an die Stadt Hannover.


Oswald Achenbach, Gebirgstal mit Reitern

(Öl auf Leinwand, 101,5 x 126,5 cm)

Das aus ehemaligem Reichsbesitz stammende Gemälde befand sich seit 1966 als Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Landesgalerie des Niedersächsischen Landesmuseums.

Dem Rückseitenbefund und Recherchen des für den Kunstbesitz des Bundes zuständigen Bundesamts für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV) zufolge stammte das Gemälde aus der Sammlung einer Hamburger Familie, die zum Personenkreis der aus rassischen Gründen NS-Verfolgter zählte und Teile der Sammlung nach 1933 NS-verfolgungsbedingt veräußern musste. Der Leihvertrag wurde im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst und das Gemälde am 19.01.2010 an die Erben des früheren Eigentümers übergeben.

Für weitere Fragen wenden Sie sich bitte an das zuständige Bundesamt für zentrale Dienste und Offene Vermögensfragen.




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